Unsere Schule

Schulprogramm

§ Öffnung der Schule...

§ Soziale Kompetenz

§ Förderkonzept GS

- Sprachförderung

§ Umwelterziehung

§ Bewegungs- und
  Gesundheitserziehung

§ Beratungskonzept

§ Fortbildungskonzept

§ Hausaufgabenkonzept

§ Konzept
  Arbeitssicherheit,
  Gesundheitsschutz

§ Konzept zur
  Personalentwicklung

§ Konzept zur
  Verteilung der
  Haushaltsmittel

§ Leistungsbeurteilung

§ Medienkonzept

§ Methodenkonzept

§ Umgang mit
  Absentismus

§ Vertretungskonzept

Förderkonzept der Grundschule Bilshausen

   

1

Vorbereitende Maßnahmen
   

1.1

Vor Schuleintritt

Vor der Einschulung besucht die Lehrkraft, die ein erstes Schuljahr übernimmt, die Zubringer-Kindergärten. Sie erhält einen ersten Eindruck ihrer zukünftigen Schüler und Schülerinnen. Bei den Erzieherinnen hinterfragt sie, ob ihnen schulleistungsrelevante Entwicklungsstörungen aufgefallen sind und welche Fördermaßnahmen das Kind erhalten hat.

1.2

Während der ersten zwei Monate

Der Klassenlehrer/Die Klassenlehrerin beobachtet, ob der Schriftspracherwerb oder die Anforderungen im Mathematikunterricht aufgrund von Entwicklungsrückständen für Kinder problematisch werden könnten. Außerdem wird zu Beginn des 1. Schuljahres mit allen SchülerInnen die Differenzierungsprobe nach Breuer/Weuffen durchgeführt. Sie gibt Aufschluss darüber, ob die notwendigen sprachlichen Voraussetzungen für das erfolgreiche Mitarbeiten in Erstlesen und Erstschreiben gegeben sind.

Getestet werden die

  • optisch-graphomotorische,

  • akustisch-phonematische,

  • kinästhetisch-artikulatorische,

  • melodische und

  • rhythmische Differenzierungsfähigkeit.

2

Förderunterricht

Der Förderunterricht ist nicht gleichzusetzen mit zusätzlichen Lese-, Rechtschreib- oder Rechenübungen bzw. mit dem Förderunterricht Deutsch für  ausländische SchülerInnen. Er ist aufgebaut nach dem ganzheitlichen Aspekt durch die Aktivierung der Teilleistungen im akustischen, visuellen, taktilkinästhetischen und motorischen Bereich werden die Wahrnehmungs- und Speicherfähigkeit verbessert. Verspannungen und Lernblockaden werden abgebaut.

2.1

Förderung in der AG „Spielen mit allen Sinnen“

Für Kinder mit Entwicklungsrückständen oder Differenzierungsproblemen wird zur Vorbeugung von Schwierigkeiten die AG „Spielen mit allen Sinnen“ eingerichtet, in der in spielerischer Form an den Grundlagen für die erfolgreiche Mitarbeit in den Lehrgängen gearbeitet wird.

Die Schulausgangslage wird mithilfe der Diagnostischen Einschätzskalen (Karlheinz Barth, Ernst Reinhardt Verlag) genau untersucht.

Die Förderung besteht aus:

  • Training der Differenzierungsfähigkeit in den o. a. getesteten Bereichen (s. Breuer/Weuffen, Lernschwierigkeiten am Schulanfang, Beltz Verlag)

  • Stille- und Entspannungsübungen

  • Aufgaben zum besseren Gelingen der sensorischen Integration (s. Barth, Lernschwächen früh erkennen, Ernst Reinhardt Verlag)

Die SchülerInnen werden beobachtet. Die Beobachtungen werden in den Diagnostischen Einschätzskalen festgehalten. Auf diese Weise entsteht im ersten Halbjahr ein Entwicklungsprofilbogen über besondere Stärken und Schwächen der Förderkinder sowie über deren sozial-emotionales Verhalten. Die Erkenntnisse fließen in die Förderarbeit ein.

2.2

Förderung in Erstlesen und Erstschreiben

Mit der Förderung wird an der Null-Fehler-Grenze angesetzt nach dem Grundsatz „Vom Leichten zum Schweren und vom Häufigen zum Seltenen“.

Als durchgängiges Prinzip werden die positive Verstärkung und die Sichtbarmachung des Lernerfolges eingesetzt. Als Kriterium fürs Loben gilt der Lernzuwachs des jeweiligen Kindes und nicht der Leistungsvergleich innerhalb der Klasse oder innerhalb der Kleinlerngruppe.

Für jeden Schüler und jede Schülerin wird ein eigener Bogen geführt, auf dem der individuelle Leistungsstand eingetragen wird.

2.2.1

Förderung im 1. Schuljahr

Bei Problemen mit der Phonem-Graphem-Zuordnung, der Analyse oder der Synthese wird sofort gefördert, um die Entstehung von Teufelskreisen und die sich daraus ergebenden Lern- und Leistungsstörungen zu verhindern (s. Betz/Breuninger, Teufelskreis Lernstörungen, Beltz Verlag).

Inhalte:

  • Übungen zur optischen und akustischen Differenzierungsfähigkeit, zu Raum-Lage-Beziehungen, zur Wahrnehmungsrichtung

  • Training der phonologischen Bewusstheit

  • Einteilen von Wörtern in Silben als kleinste sprachliche Einheiten und als Vorstufe für das Abhören der Wörter auf ihre Sprechlaute

  • Silbenspiele: Silben werden geschritten („getanzt" mit Seitstellschritten von links nach rechts, in Lese- und Schreibrichtung also), Silbenbögen werden mit den Händen in die Luft geschwungen und an die Tafel und auf Papier gemalt

  • Analyse und Synthese werden mit der Silbengliederung verbunden. Mit der Strategie Wörter zuerst in Silben zu zerlegen und dann die Silben zu lautieren lernen es die SuS alle Buchstaben in der richtigen Reihenfolge zu erfassen und sie zu Wörtern zusammenzufügen.

  • Die Kinder werden angeleitet beim Schreiben synchron mitzusprechen.

Erst wenn ein Kind die Synthese beherrscht, nimmt es die Buchstaben in Gebrauch und geht damit auch außerhalb des Unterrichts um. So kommt es zu dem erwünschten Speichereffekt und der Motivation zum Lesen.

 

Das bedeutet, dass im ersten Schuljahr mit einem sehr kleinschrittigen Aufbau der Phonemstufe 1 begonnen wird. Es werden nach und nach die Phoneme/Grapheme der

Stufe 1 eingesetzt. Voraussetzung dafür ist, dass  diese im Erstlese-/Erstschreiblehrgang bereits eingeführt sind.

Zur Phonemstufe 1 gehören:

-   Vokale                                                              a  e  i  o  u

-   Diphthonge                                                        au  ei  eu         

-   Umlaute                                                            ö  ü 

-   Dauerkonsonanten                                             m  l  s  n  f  r  w  sch

Der Aufbau der Phonemstufe 1 schließt mit der diagnostischen Bilderliste von

C. Reuter-Liehr (s. Reuter-Liehr, Lautgetreue Rechtschreibförderung, Winkler Verlag)

2.2.2

Förderung im 2. Schuljahr

Über die bereits für das 1. Schuljahr genannten Inhalte hinaus dient die Förderung zunächst dem Aufbau der lautgetreuen Schreibung auf der Phonemstufe 1. 

Daran schließt sich ein ebenfalls kleinschrittiger Aufbau der Phonemstufe 2 an.

In der Phonemstufe 2 kommen hinzu:

-   schwierige Dauerkonsonanten                             h  z  j  ch

-   Stoppkonsonanten                                             p  t  k  b  d  g

Es werden die Pilotsprache (Rechtschreibsprache) und das synchrone Sprechschreiben mit dem Ziel der Automatisierung trainiert.

Der Aufbau der Phonemstufe 2 schließt mit der diagnostischen Bilderliste von C. Reuter-Liehr (a.a.O.).

Mit dem Beherrschen der Phonemstufen 1 und 2 und der Strategie des synchronen Sprechschreibens werden nach einer Auszählung von C. Reuter-Liehr bereits 72% der

lautgetreuen Wörter des niedersächsischen Grundwortschatzes beherrscht.

2.2.3

Förderung im 3./4. Schuljahr

Die Lesefähigkeit wird durch ein Programm trainiert, das es ermöglicht, jeden einzelnen Schüler auf dem individuellen Leistungsstand abzuholen und im eigenen Lerntempo weiterzuführen. Besonderer Wert wird auf Strategietraining und Motivationsarbeit gelegt.

In Rechtschreiben erfolgt eine lautgetreue Rechtschreibförderung, die durch rhythmisch-melodisches Sprechschreiben und Silbentraining verstärkt wird. Als Grundlage dient der Stufenaufbau von C. Reuter-Liehr (a. a. O.).  Schüler, die schon am Förderunterricht teilgenommen haben, arbeiten weiter auf den Stufen 3 – 6. Schüler, die noch nicht am Förderunterricht teilgenommen haben, erarbeiten zunächst die Stufen 1 und 2. Daran schließen sich die Stufen 3 – 6 an.

In der Phonemstufe 3 kommen hinzu:

-   Dauerkonsonantenpaare                                      schm  schl  schn schr  schw  

                                                                             fl  fr  zw  wr

In der Phonemstufe 4 kommen hinzu:

-   Konsonantenhäufungen                                       dr  bl  br  gl  gn  gr 

                                                                             tr  pl  pr  pf  pfl  pfr  kl  kn  kr

                                                                             st  str  sp  spl  spr 

Die Phonomstufe 5 beinhaltet                                Verschriftung von i am Silbenende  

                                                                            meistens als ie (zu 70 %)

Die Phonemstufe 6 beinhaltet S-Laute                    s  ss  ß

Mit dem Beherrschen der Phonemstufen 1 bis 6 und der Strategie des synchronen Sprechschreibens werden bereits 60 % des niedersächsischen Grundwortschatzes richtig geschrieben.

Die Hinführung zum Regelwissen erfolgt zunächst über die von C. Reuter-Liehr vorgeschlagene Strategie der Morphemsegmentierung (a. a. O.)

und danach über den von Ch. Mann vorgeschlagenen Weg, und zwar über

-   Mitsprechwörter (lautgetreu),

-   Nachdenkwörter (Großschreibung, Ableitungen)

-   Merkwörter (Speicherwörter).

(Ch. Mann, Selbstbestimmtes Rechtschreiben, sowie Ch. Mann, Legasthenie verhindern, beide erschienen im Beltz Verlag).

Werden die Strategie des Mitsprechens, der Ableitung und des Erkennens der Großschreibung beherrscht, werden bereits 90 % des niedersächsischen Grundwortschatzes  richtig geschrieben.

Der Grundwortschatz besteht nur zu 10 % aus Merkwörtern, deren sogenannte „Gefahrenstellen“ gespeichert werden müssen. Diese Wörter werden trainiert, wobei Strategien vermittelt werden, Wörter zu behalten und ins Langzeitgedächtnis zu transportieren.

3

Zusammenarbeit zwischen Förderlehrkraft und den übrigen Lehrkräften

Eine enge Zusammenarbeit ist die Voraussetzung für die Optimierung der o. a.

Maßnahmen. Beobachtungen während des Schulvormittages sowie eine qualitative Auswertung der Diktate, Aufsätze und standardisierten RS-Tests ermöglichen im Einzelfall weitere Erkenntnisse, die positiv in der Förderarbeit umgesetzt werden. Außerdem ist die Absprache wichtig, um über die Dauer des Förderunterrichts zu entscheiden.

4

Zusammenarbeit zwischen Schule und Elternhaus

Von Zeit zu Zeit werden die Eltern der FörderschülerInnen zu Elternabenden eingeladen. Sie werden über Problematik und mögliche Ursachen einer Lese-/ Rechtschreibschwäche informiert. Der Aufbau des Förderunterrichts wird ausführlich dargestellt. Deshalb ist neben dem Klassenlehrer auch die Förderlehrkraft anwesend.

Je nach Beobachtungsergebnissen erfolgen weitere Maßnahmen. Grundlage dafür sind Beratungsgespräche. Mögliche Teilnehmer sind Klassen-, Deutsch-, Förderlehrer, Eltern, Schulleiter. Bei diesen Gesprächen werden die allgemeinen Informationen, die auf den Elternabenden gegeben wurden, vertieft und auf das Kind bezogen. Mit Hilfe der Beobachtungsergebnisse, der diagnostischen Einschätzskalen, und der qualitativen Fehleranalysen werden mögliche Faktoren herausgearbeitet, welche die vorliegende Lese-/Rechtschreibschwäche hervorgerufen haben könnten. Entsprechend unterschiedlich fallen dann die Vorschläge für die weiteren Maßnahmen aus – bis hin zum Besuch eines Augen- oder HNO-Arztes oder eines Facharztes für Kinder- und Jugendpsychiatrie. Bei SchülerInnen mit einer besonders starken Legasthenie, denen aufgrund ihrer Störungen eine seelische Erkrankung droht, wird den Eltern empfohlen, beim Jugendamt eine Eingliederungshilfe gem. § 35a Sozialgesetzbuch VIII zu beantragen. Die Eltern werden über die Inhalte des § 35a SGB VIII und das Bewilligungsverfahren informiert.

5

Zusammenarbeit zwischen Schule und außerschulischen Fördereinrichtungen

Mit dem Jugendamt, der Fachstelle für Diagnostik, dem behandelnden Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und dem Therapeuten sollte eine Zusammenarbeit angestrebt werden.

Marianne Bringmann, Fachobfrau der Grundschule Bilshausen, April 2006

 

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